HANS IM GLÜCK

Ich bin – wie soll ich es nennen? – schockiert.

In einer repräsentativen Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie wurden die Teilnehmer danach gefragt, was für sie die Voraussetzungen für ein glückliches Leben seien. Das Ergebnis: Für 80 % der Deutschen ist Geld, bzw. keine Geldsorgen zu haben, wichtig. Und damit steht Geld seit Jahrzehnten an erster Stelle, wenn es ums Glücksempfinden geht.

Entschuldigen Sie, wenn ich mich darüber etwas echauffiere, aber das eigene Glück und Wohlbefinden vom Kontostand abhängig zu machen, ist doch dummes Zeug. Geld auf dem Konto ist kein Garant für Glück, genauso wenig wie gähnende Leere auf dem Konto automatisch unglücklich macht. Ich kenne Menschen, die haben so viel Geld, dass sie es in einem Leben gar nicht ausgeben können, die aber TOTAL unglücklich sind – unter anderem, weil sie sich ständig Sorgen darüber machen, was passiert, wenn sie ihr vieles Geld verlieren würden. Und dann kenne ich Leute, die mit sehr wenig Geld auskommen müssen, mich aber immer mit einem Strahlen auf dem Gesicht begrüßen.

Klar, niemand will Geldsorgen haben. Das ist absolut verständlich. Wer sich zu viel mit Sorgen beschäftigt, schränkt sich selbst in seiner Empfindung ein, ist nicht mehr offen für das Schöne im Leben, das eben glücklich macht. Ja, fehlendes Geld KANN mit Sicherheit unglücklich machen. Muss es aber nicht. Außerdem bedeutet das im Umkehrschluss keinesfalls, dass Geld eine Voraussetzung für ein glückliches Leben ist.

Schon der Philosoph Ludwig Marcuse hat in seiner Interpretation von „Hans im Glück“, dem Märchen der Gebrüder Grimm, geschrieben: „… man besitzt das Glück weder im Gold noch im Schwein noch im Stein. Vieles kann einen glücklich machen; aber kein Gut macht einen glücklich in jeder Beziehung.“
Wenn mir also jemand sagt, er müsse erst einen bestimmten Betrag auf dem Konto, ein schickes Haus, ein schnelles Auto und den Traumurlaub haben, um glücklich zu sein, dann finde ich das eine sehr traurige Haltung. Und dass 80 % der Deutschen eine ähnliche Einstellung haben, finde ich erschreckend – weil sie ihr Glück im Leben von Geld abhängig machen. Es gibt doch noch so viele andere Gründe, glücklich zu sein. Beispielsweise weil Sie gesund und munter aufgewacht sind, weil schönes Wetter ist, weil die Familie zu Besuch ist – oder wenn wir schon dabei sind: weil die Familie NICHT zu Besuch ist. Sie werden immer etwas finden, das Sie glücklich macht. Sie müssen sich Ihr Glück nur bewusst machen.

Machen Sie doch mal ein Gedankenspiel – oder eher: ein Gefühlsspiel. Denken Sie zurück, wann Sie sich das letzte Mal so richtig glücklich gefühlt haben. Können Sie das Gefühl nochmals abrufen? Und wie genau war die Situation? Vielleicht haben Sie den Halbmarathon in unter zwei Stunden geschafft, oder Ihr Partner hat Sie unverhofft in den Arm genommen. Vielleicht hat Ihr Kind auch seinen ersten Schritt gemacht oder zum ersten Mal „Mama“ gesagt. Oder Sie haben im Job eine tolle Arbeit abgeliefert und wurden dafür gelobt.

Ganz gleich, wie die Situation war: Haben Sie dafür Geld gebraucht? Vermutlich nicht. Und wenn Sie jetzt sagen, dass Sie für den Wellness-Urlaub sehr wohl Geld gebraucht haben, seien Sie mal ehrlich: War es der Wellness-Urlaub, der Sie glücklich gemacht hat, oder die Tatsache, dass Sie endlich einmal wieder Zeit für sich zum Entspannen hatten und Sie durch die Erholung neue Kraft und Energie tanken konnten?

Was ich sagen will: Ja natürlich, Geld ist wichtig! Und ja, es kann unglücklich machen oder das Glück auch „fördern“. Es ist aber keinesfalls da, um Sie glücklich zu machen. Kann es auch gar nicht. Das müssen Sie schon selbst tun. Wenn Sie sich dafür sensibilisieren, wenn Sie sich immer wieder bewusst machen, dass Geld nicht verantwortlich ist für Ihr Wohlbefinden, und diese Erkenntnis tief rutscht, dann bringt das hoffentlich einen Wandel in Ihrer Einstellung. Dann können Sie das Wort Leben neu definieren – LEBEN ganz unabhängig von Ihrem Kontostand.

Stellen Sie sich also neue Fragen, dann bekommen Sie auch neue Antworten. Und hier die erste: Wann waren Sie das letzte Mal so richtig glücklich?

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